Wasser filtern lohnt sich, wenn Sie Stoffe entfernen möchten, die die Trinkwasserverordnung nicht abdeckt oder die erst nach dem Wasserwerk ins Wasser gelangen – etwa aus alten Hausleitungen. Welcher Filter dafür taugt, hängt vom Stoff ab: Aktivkohle bindet organische Verbindungen und Chlor, eine Umkehrosmose-Membran hält zusätzlich gelöste Salze und Nitrat zurück.

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Warum filtern Menschen Wasser, das doch kontrolliert ist?
Trinkwasser gilt in Deutschland als das am strengsten überwachte Lebensmittel. Trotzdem stehen in immer mehr Küchen Filter. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Zuständigkeit: Die Trinkwasserverordnung regelt, was das Wasserwerk liefern muss – nicht, was an Ihrem Hahn ankommt.
Zwischen Übergabepunkt und Wasserglas liegt Ihre Hausinstallation. Alte verzinkte Leitungen, Bleirohre in Altbauten, Lötstellen, lange Standzeiten über Nacht: Das alles liegt außerhalb der Verantwortung des Versorgers. Wer filtert, verschiebt die letzte Kontrollstelle vom Wasserwerk in die eigene Küche.
Der zweite Grund ist der Prüfkatalog selbst. Die Verordnung legt Grenzwerte für eine definierte Liste von Parametern fest. Stoffe, die neu in die Diskussion kommen, sind darin erst enthalten, wenn Gesetzgebung und Analytik nachgezogen haben. Für PFAS gilt inzwischen ein Summengrenzwert – in den Jahren davor gab es schlicht keinen. Wer filtert, muss diese Reihenfolge nicht abwarten.
Was die Trinkwasserverordnung prüft – und was nicht
Geprüft und mit Grenzwerten belegt sind unter anderem mikrobiologische Parameter, Nitrat, Blei, Kupfer, Nickel, Chlorid, Sulfat, eine Reihe von Pestizidwirkstoffen sowie bestimmte PFAS-Verbindungen.
Nicht flächendeckend erfasst sind dagegen Arzneimittelrückstände, viele Industriechemikalien, Mikroplastik und ein Großteil der Transformationsprodukte, die entstehen, wenn zugelassene Wirkstoffe in der Umwelt abgebaut werden. Für einige dieser Stoffe existieren Orientierungswerte, aber keine verbindlichen Grenzwerte.
Wichtig für die Einordnung: Das heißt nicht, dass Ihr Wasser belastet ist. Es heißt, dass die Frage für einen Teil der Stoffe nicht routinemäßig gestellt wird. Wie relevant das für Sie ist, hängt von Ihrer Region, Ihrem Versorger und Ihrem Haus ab – und lässt sich beantworten, statt geglaubt zu werden. Der Wasserversorger veröffentlicht seine Analysewerte, und für die Hausinstallation gibt es Laboranalysen.
Welche Filterverfahren gibt es – und was leistet jedes?
Kannenfilter mit Ionentauscher
Die Kanne aus dem Supermarkt arbeitet überwiegend mit einem Ionentauscher und etwas Aktivkohle. Sie senkt vor allem die Karbonathärte, verbessert also Geschmack und Kalkgehalt für Tee und Kaffee. Für gelöste Schadstoffe ist sie nicht ausgelegt. Kritisch ist die Standzeit: In der feuchten Kartusche können sich bei zu seltenem Wechsel Keime vermehren.
Aktivkohle-Blockfilter
Ein guter Blockfilter bindet organische Verbindungen, Chlor und einen Teil der Pestizidrückstände über seine große innere Oberfläche. Er ist deutlich leistungsfähiger als die Kanne und wird auch als erste Stufe vor einer Membran eingesetzt. Was er nicht kann: gelöste Salze zurückhalten. Nitrat passiert ihn.
Auch hier entscheidet die Wartung. Ein Aktivkohlefilter sammelt, was er bindet. Wird er zu lange betrieben, kann er Gebundenes wieder abgeben.
Umkehrosmose
Die Umkehrosmose presst Wasser mit Druck gegen eine semipermeable Membran. Deren Durchlässigkeit liegt in der Größenordnung des Wassermoleküls selbst – rund 0,2 Nanometer. Was größer ist, passiert nicht, sondern geht mit dem Spülwasser ab. Das Verfahren stammt ursprünglich aus der Raumfahrt, wo Wasser aufbereitet statt mitgeführt werden musste.
Nach Rückhaltespektrum ist das der gründlichste Weg, der für Privathaushalte praktikabel ist: Er erfasst auch gelöste Stoffe, an denen Kohlefilter vorbeigehen. Der Preis dafür ist Spülwasser und, bei den meisten Bauformen, Strom.
Details zum Verfahren stehen im Artikel Osmose und Umkehrosmose; warum die Membran allein noch keine fertige Wasserqualität ergibt, lesen Sie unter Warum Umkehrosmose allein nicht reicht.
Dampfdestillation
Destillation verdampft Wasser und kondensiert es wieder. Auch sie entfernt sehr viel, ist aber langsam und stromintensiv – für den laufenden Küchenbetrieb praktisch keine Option.
Woran erkennen Sie, ob sich Filtern für Sie lohnt?
Drei Fragen führen weiter als jede Grundsatzdiskussion:
- Was liefert Ihr Versorger? Die aktuelle Trinkwasseranalyse steht online oder kommt auf Anfrage. Interessant sind Härte, Nitrat und der Gesamtgehalt gelöster Stoffe.
- Was macht Ihr Haus daraus? Baujahr und Leitungsmaterial entscheiden. Bei Verdacht auf alte Leitungen hilft nur eine Probe am eigenen Hahn.
- Wofür wollen Sie das Wasser nutzen? Wer weicheres Kaffeewasser will, braucht keine Membran. Wer gelöste Stoffe zurückhalten will, kommt an einer nicht vorbei.
Ein TDS-Messgerät liefert dafür einen ersten Anhaltspunkt. Es misst die gelösten leitfähigen Stoffe im Wasser – nicht alles, aber es zeigt die Größenordnung. In Deutschland liegen die Eingangswerte meist zwischen 150 und 350 ppm, im Münchner Raum um 260 bis 310. Zum Vergleich: Wässer, die als besonders leicht gelten, liegen bei 7 bis 30 ppm.
Was kostet gefiltertes Wasser?
Bei einer Umkehrosmoseanlage entstehen drei laufende Posten: Filterwechsel, Strom und zusätzliches Spülwasser.
- Filter: Vorfilter jährlich, Membran alle drei Jahre. Zusammen erfahrungsgemäß rund 120 Euro im Jahr.
- Strom: Bei fünf Litern am Tag rund ein Euro im Jahr. Stromlose Anlagen, die allein mit Leitungsdruck arbeiten, brauchen gar keinen.
- Spülwasser: Bei einem Verhältnis von 1:1 rund zwei Kubikmeter jährlich. Bei etwa fünf Euro pro Kubikmeter sind das zehn bis elf Euro.
Macht rund zehn Euro im Monat, ein bis zwei Cent je Liter. Der Vergleich mit Kistenwasser fällt damit deutlich aus – und das Schleppen entfällt.
Für welchen Weg hat sich misterwater entschieden?
misterwater setzt auf Umkehrosmose, weil sie das breiteste Rückhaltespektrum hat. Danach folgt die Aufbereitung: Keimsperre oder UVC gegen Verkeimung, optional Mineralisierung, Sauerstoff oder Wasserstoff.
Bewusst anders als bei vielen Anbietern ist die Zahl der Stufen. Erich Meiderts Position dazu ist unmissverständlich: ein guter Blockfilter, eine ordentliche Membran, dann die Belebung – mehr braucht es nicht. Viele Filterstufen erhöhen vor allem die Wechselkosten.
Einen Überblick über die Verfahren im direkten Vergleich finden Sie im Artikel Vergleich Wasserfilteranlagen und Wasserfiltersysteme. Welche Anlage zu Ihnen passt, hängt von Ihrem Eingangswasser, Ihrem Verbrauch und Ihrer Küche ab. Genau dafür gibt es die Beratung – ohne Vertreterbesuch, weil misterwater keinen Außendienst hat.
Bildquelle Titelbild: © Tricky Shark – Shutterstock 1088890040
Häufige Fragen
Ist deutsches Leitungswasser nicht sauber genug?
Deutsches Trinkwasser wird nach der Trinkwasserverordnung streng überwacht und hält die dort festgelegten Grenzwerte in aller Regel ein. Die Verordnung prüft aber einen definierten Katalog von Parametern, und sie prüft bis zum Übergabepunkt – nicht an Ihrem Wasserhahn. Was in der Hausinstallation dazukommt, liegt außerhalb ihrer Reichweite.
Welcher Wasserfilter entfernt am meisten?
Nach Rückhaltespektrum liegt die Umkehrosmose vorn: Ihre semipermeable Membran lässt im Wesentlichen nur Wassermoleküle passieren und hält damit auch gelöste Stoffe wie Nitrat oder Salze zurück. Aktivkohlefilter binden vor allem organische Verbindungen und Chlor, gelöste Salze passieren sie.
Was kostet gefiltertes Wasser im Monat?
Bei einer Umkehrosmoseanlage liegen die laufenden Kosten für Filterwechsel, Strom und zusätzliches Spülwasser erfahrungsgemäß bei rund zehn Euro im Monat. Auf den Liter gerechnet sind das ein bis zwei Cent.
Verschwendet eine Osmoseanlage Wasser?
Sie erzeugt Spülwasser, weil die Membran freigespült wird. Bei einem Verhältnis von 1:1 und vier bis fünf Litern Trinkwasser am Tag sind das rund zwei Kubikmeter im Jahr – gemessen an den etwa 44 Kubikmetern, die eine Person in Deutschland jährlich verbraucht, ein einstelliger Prozentbereich.
Kann ich einen Wasserfilter in einer Mietwohnung einbauen?
Ja. Eine Untertischanlage lässt sich ohne Bohren anschließen, wenn statt eines eingelassenen Hahns ein separater Auslauf genutzt wird; das Spülwasser geht wie bei einer Waschmaschine in den Siphon. Beim Auszug nehmen Sie die Anlage mit.
